Hilfe! Ich bin eine aussterbende Art :-)

Irgendwie fiel es mir in der Vergangenheit leichter, Richtig und Falsch auseinander zu halten. Wobei ich das nach wie vor ziemlich sicher, tief in meinem Innersten wei├č. Es passt nur nicht mehr zum Zeitgeist. Dumm gelaufen ­čÖé

Als in den 80er Jahren Aids aufkam, im Schlepptau eine grauenhafte Welle der Angst vor Ansteckung, die homosexuellen M├Ąnnern eine zeitlang das Leben ziemlich schwer machte, habe ich nach wie vor von einem Teller mit ihnen gegessen und sie stolz als meine Freunde pr├Ąsentiert. Gleiche Rechte und Akzeptanz sind eine Selbstverst├Ąndlichkeit f├╝r mich. Alles andere finde ich ziemlich bl├Âde. Trotzdem w├╝rde ich als Leitmodell das traditionelle Familienbild, Vater, Mutter, Kind gerne behalten. Alle anderen Varianten sehe ich als gleichwertig aber nicht unbedingt als neues Leitmotiv das ├╝berall beworben werden muss. Lebt es einfach, und gut ist ­čÖé –

Obwohl ich mir f├╝r mich eine Abtreibung nie wirklich vorstellen konnte, war ich mit den Thesen von Alice Schwarzer als eine erbitterte Streiterin f├╝r das Recht jeder Frau auf Selbstbestimmung ├╝ber den eigenen K├Ârper unterwegs. Weil ich es richtig und wichtig fand. Trotzdem habe ich Bauchweh bei der neuen Umgestaltung unserer Sprache, verweigere eisern das /INNEN an jedem Wort, denn den Kampf um Gleichberechtigung m├Âchte ich lieber weiterhin auf anderen Ebenen austragen. Wie sch├Ân, wenn mehr Energie in die finanzielle Gleichheit der Frau investiert w├╝rde. Geld ist Macht, Leute! Buchstaben sind jetzt nicht so hilfreich, wenn eine ganze Generation Frauen bald mit einer Rente vegetiert, die nicht nur ungerecht sondern eine Frechheit ist, gemessen an der Leistung, die sie erbracht haben.

Ich gehe jedem an die Gurgel, der es wagt, meine syrischen Freunde in irgendeiner Form , wegen ihrer Herkunft oder Religion herabzusetzen. Trotzdem halte ich die t├Ątlichen Angriffe auf Politiker einer rechten aber legalen Partei f├╝r mehr als bedenklich, auch der Umgangston mit denen die Politiker aus deren Reihen bedacht werden ist ein NO GO f├╝r mich und ich komme mit Fremdsch├Ąmen nicht mehr nach.

Ich sch├Ąme mich f├╝r ALLE diffamierenden und pers├Ânlich verletzenden ├äu├čerungen gegen JEDEN…und dabei ist mir piep- schnurz -egal, ob sie von rechts, von links aus der Mitte oder der Kirche kommen. ┬áEs gibt die, bei denen sowieso Hopfen und Malz verloren ist, die werden weiter diffamieren und Hetzen…. aber f├╝r die anderen, wollte ich doch einmal deutlich aussprechen:

Ethik im Umgang miteinander ist nicht relativierbar.

Auch die die “Guten”, f├╝r die “gute Sache” ┬á(f├╝r die sich dummerweise jeweils jede politische Gruppierung h├Ąlt) “d├╝rfen f├╝r ihre Ziele weder verbale noch t├Ątliche Gewalt einsetzen d├╝rfen.

Bitte nicht missverstehen…aber brennende Asylheime, “Deutschland verrecke” Rufe , gepr├╝gelte Polizisten und Naziparolen landen bei mir alle im gleichen Topf und machen es mir immer schwerer GUT und B├ľSE auseinander zu halten. Es ist ziemlich absto├čend in der Gesamtheit.

Bin ich die einzige, die nicht nur schrecklich Bauchweh bekommt, wenn man einem Fl├╝chtlingsm├Ądchen das Kopftuch herunter rei├čt sondern auch, wenn sie einen blut├╝berstr├Âmten Polizisten sieht, der zum Dienst auf eine Demo geschickt wurde?

Geht es nur mir so, dass ich finde, die Kinder von politischen Gegnern, ihr Sexleben und auch ihre geistige Gesundheit (letzteres besonders, wenn es sich um reine Spekulationen handelt) sollten au├čen vor bleiben, wenn man ihr Handeln kritisiert?

Und dann war da noch das Recht auf die eigene Meinung. Was bin ich froh, dass ich zu gewissen Zeiten noch kein Internet zur Verf├╝gung hatte, als ich Dinge von mir gab, die zwar heute politisch mega korrekt und gesellschaftlich Mainstream sind, mich aber damals Kopf und Kragen gekostet h├Ątten. Viel Unsinn war auch dabei, aber man darf sich ja entwickeln… Fr├╝her durfte man das jedenfalls ­čśë W├Ąre meine armselige Protest-Band (sorry M├Ądels, so toll waren wir ja nun wirklich nicht, smile) , ┬ájemals auf Youtube erschienen, weiha ­čśë .

Dummerweise stehe ich mit diesen Gedanken meist ziemlich allein und zwischen allen Fronten. Nat├╝rlich k├Ânnte ich auch einfach die Klappe halten. ┬áDas hat aber schon in den 80ern nicht funktioniert und r├╝ckblickend bin ich froh dar├╝ber. Also beziehe ich weiter klar Stellung ┬áf├╝r Toleranz, f├╝r Frauenrechte, gegen Rassismus, gegen jede Art von Unterdr├╝ckung, Ungerechtigkeit und Ausbeutung. Aber auch f├╝r Meinungsfreiheit und Fairness.

 

 

 

 

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